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Donnerstag, 17. April 2014

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Maria Tegeler
46354 Südlohn, Elpidiusstraße 53

Telefon: 0 28 62 - 73 27


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Singkreis - Altes Liedgut Gemeinschaft Südlohn

Wer hat wann zum letzten Mal eines unserer alten, schönen  Volkslieder gesungen? Die Enkelkinder können sie ja überhaupt nicht mehr, ein Wunder ist das eigentlich nicht. Sie sind ja auch nicht mehr so ganz zeitgemäß und in der Schule werden sie auch nicht mehr gelernt.

Die Lieder vom Brunnen vor dem Tore, von den lustigen Wandergesellen oder von Mariechen, die weinend im Garten saß. Klappernde Mühlen am rauschenden Bach gibt es schließlich nur noch im Heimatfilm und hoch auf dem gelben Wagen verreist schon lange keiner mehr. Nur ein paar Unentwegte, die im Frühtau zu Berge ziehen, findet man noch ab und zu im Urlaub.

Diese Musik hat mehr auszusagen. Sie bringt Erinnerungen zurück, Stimmungen die einen damals bewegt haben und Gefühle, die unvergessen sind.

Die Idee, alte Volks- und Küchenlieder zu sammeln und den Bewohnern des Henricus-Stiftes vorzutragen, hatte Frau Maria Tegeler im Jahre 1999. Man griff auf eine selbst aufgeschriebene Sammlung alter Lieder von Frau Agnes Rexing zurück.

Der erste Auftritt in der alten Kleiderkammer fand am 5. Januar 2000 statt. Alle sind begeistert und eifrig dabei, in alten Liederbüchern zu stöbern und nach Liedertexten zu suchen.

Der Kreis der Teilnehmer erweiterte sich ständig. Ende 2006 bestand die Gruppe "ALG" bereits aus 30 Frauen.

Gesungen wird immer am 1. Mittwoch im Monat im kleinen  Saal Haus der Vereine sowie am 2. Dienstag eines Monates im Henricus-Stift. Weitere Informationen bei Maria Tegeler in Südlohn.

Ein Chor, der keiner ist

Bringen den Männern und Frauen des Altenwohn- und Pflegeheims Henricus-Stift jedes Mal neue Lieder mit: Der Singkreis „Altes Liedgut Gemeinschaft". Bei diesen Besuchen lebten die überwiegend dementen Bewohner auf, erzählt die Gruppe. MLZ-Fotos (3) Snjka
Singen soll Spaß machen und nicht für Stress sorgen. Auf Stimmbildung verzichten die Frauen deshalb. Für jeden Monat hat die Gruppe eine eigene Liedersammlung. MLZ-Fotos

Von: Dominique Snjka, Münsterland Zeitung, 07.04.2012

 

SÜDLOHN.

Maria Tegeler hält die Vergangenheit zwischen ihren Händen fest. Es sind geschwungene Noten auf knittrigem Papier, oft kopierte Blätter. Ein Mal, hundert Mal vervielfältigt. Sie blättert in dem Stapel. „Alle Vögel sind schon da" steht auf der ersten Seite, „Auf einem Baum ein Kuckuck auf der zweiten. Wenn die 72-Jährige diese Melodien hört, ist das Vergangene für sie greifbar: Ihre Oma, die gerne sang. Oder die Tante, die, nachdem ihr Mann gefallen war, den Schmerz mit Liedern übertönte.

 

Maria Tegeler tippt die Taste der Kinderorgel an. Sie stimmt vor jedem Lied den Ton an. „Damit die Gruppe nicht zu tief anfängt", sagt Tegeler. Sie ist die Gründerin des Singkreises „Altes Liedgut Gemeinschaft". Einmal im Monat proben die 31 Frauen im Kleinen Saal am Haus der Vereine in Südlohn. Volkslieder, Moritaten, Küchenlieder. Musik, die immer mehr in Vergessenheit gerät. Mit der Zeit sind es immer mehr Mitglieder geworden. „Jetzt fängt..." beginnen die Frauen links von ihr, fast zeitgleich singen die Frauen links von ihr „Jetzt fängt das schöne Frühjahr an". Laut und kräftig klingt das.

 

Seit seiner Gründung 1999 tritt der Kreis einmal monatlich im Henricus-Stift auf. „Das ist auch der eigentliche Sinn der Sache", sagt Tegeler. Die meisten der Menschen, die in dem Altenwohn- und Pflegeheim leben, sind dement. Sie können immer weniger am Leben teilnehmen.

 

Wenn der Singkreis kommt, kehrt ein Stück der Erinnerung zurück. „Sie haben fast alles vergessen, aber die Strophen dieser alten Lieder können sie auswendig. Sie machen mit und sind plötzlich viel lebendiger", erzählt die Südllohnerin.

 

Ein Stück vor dem Vereinshaus schieben sich die Forsythien über einen Mauervorsprung. Eine Flut aus gelben Blüten unter hellgrauem Aprilhimmel. Die vielen Stimmen im Saal vermischen sich zu einem gleichförmigen Summen. Die Frauen unter halten sich. Das Läuten einer Glocke unterbricht das Stimmengewirr. Die Gruppe singt das nächste Lied. Eine ganze Mappe bereitet der Kreis jedes Mal für die Besuche im Altenheim vor.

 

Frühlingslieder

Im April singen sie Frühlingslieder. „Auf einem Baum ein Kuckuck saß", hebt die Hälfte an. „Auf einem..." setzen die nächsten ein — zu spät. „Das müssen wir noch 'mal machen", sagt eine der Frauen gutmütig. Sie alle proben ohne Zwang, ohne Stress. „Wir wollten alle nicht in einem Chor singen", erzählt Tegeler. „Wir machen zum Beispiel auch keine Stimmbildung." Viele der Notenschriften hat sie auf Flohmärkten gefunden. Bevor die Gruppe ein neues Stück lernt, spielt Tegeler es auf ihrer Mandoline und nimmt die Melodie auf Kassette auf. Sie ist der Takt ihrer Kindheit. So erinnert sie sich an den Namenstag ihrer Großmutter. Da sangen die Männer immer.

 

Oft waren die Lieder ihrer Kindheit aber traurig. „Das war bei meiner Tante so", sagt Tegeler. „Im Krieg waren viele Männer gefallen. Ich denke, die Leute haben mit den Liedern vieles verarbeitet. Dieselben Strophen sind für Tegelers Enkelkinder bedeutungslos. „Die singen gerne, aber auf Englisch. Und sie haben ein anderes Rhythmusgefühl, einen anderen Takt.